
Was dem gemeinen Österreicher "wurscht" ist, nämlich seine eigentliche Herkunft, beschäftigt den Ungarn gerade wieder in diesen Tagen besonders.
Auch ich eilte ins Magyar Nemzeti Muzeum um zu erfahren - ganz im Kontrast zur herrschenden Lehre an der Abteilung für Finno-Ugristik in Wien, die dem stolzen Ungar unterstellt irgendwo aus dem Ural - zu Fuß womöglich - ins Land der Länder gezockelt zu sein -, dass die Magyaren natürlich direkte Nachfahren von Dschinghis Khan sind. Wieder einmal ist der Beweis geglückt!
Ich wandelte also zwischen den Exponaten und den zeitgenössischen Mongolen-Abkömmlingen. Immer wieder musste ich mir die frappante Ähnlichkeit eingestehen...
marburg84 - 2007.06.20, 23:46
Sonntag war ich mit Bernhard in Visegrad. Was in diesem banalen Satz nicht ganz zur Geltung kommt, sind die Strapazen der Reise - die sich natürlich gelohnt hat, ging es doch zum schönsten Abschnitt des Donauknies.
Deshalb hole ich ein bisschen weiter aus. Nachdem ich unbedingt einmal mit dem Boot auf der Donau fahren wollte, schien mir Visegrad - 2 einhalb Stunden per Boot von Budapest flußaufwärts gelegen (eigentlich 3,5 flußauf- und 2,5 flußabwärts) - gerade zu prädestiniert als Ausflugsziel.
Am frühen Sonntag morgen brachen wir auf um am Nyugati Palyaudvár in den személyvonat -such das Prädikat- (mir ist noch immer nicht ganz klar, wie die Kathegorien der MÁV -die ung. ÖBB- zustande gekommen sind: személy (=Personenzug) im Gegensatz zu gyors (=Schnellzug)) einzusteigen. Wir waren nicht die einzigen Fahrgäste, am Bahnsteig spielten sich rührige Abschiedsszenen von Kindern, die den Eltern für min. ein halbes Jahr von grausamen Pfadfinderorganisationen entrissen wurden, ab. Und schon ging die lustige Fahrt los, die Kinder schrien aus Leibeskräften, wir packten sobald der Zug anrollte unsere Jause aus.
Nach kurzer Zeit stoppte der Zug mitten im Ortskern - wirklich am Hauptplatz - von Nagymaros, da lob ich mir den Kommunismus, wo der Bahnhof nach Funktionalität, nicht nach irgendwelchen kindischen Blumendorf-Wettbewerbkriterien, genau zwischen Kirche und Hauptplatz gebaut wird. Wir stiegen aus und dachten, wir sind da. Ich hielt schon Ausschau nach dem Gasthaus und Café wo ich den Rest des Tages zu verweilen gedachte. - Allerdings war mir - was ausgesprochen selten passiert - ein Denkfehler unterlaufen. Wenn nämlich im Zugplan Nagymaros-Visegrad steht, dann heißt das nicht, dass man von Nagymaros gemütlich zu Fuß nach Visegrad gehen kann. Sie liegen nämlich 600m von einander entfernt - und dazwischen fließt die Donau.
Alsdann nahmen wir per Fähre die Donauüberquerung vor. Den Rest der Erzählung werde ich einfach abkürzen, weil doch einige altbekannte Ausflugsbilder strapaziert werden. Kurzum: Wir erklommen in Sandalen in der Mittagshitze den an jedem ordentlichen Ausflugsziel vorhandenen ziemlich hohen Burgberg. Oben angekommen mischten wir uns verschwitzt unter die Bustouristen, die auf der anderen Seite hinaufgekarrt worden waren, genossen den Ausblick, schossen unsere Erinnerungsphotos, beeilten uns zurück zum Schiff, das uns dann wieder nach Budapest zurückbrachte.

marburg84 - 2007.06.20, 22:36
Alles ist neu auf meinem Blog.
Das hat einen Grund: Ich arbeite seit 1 Woche bei Alenis Kft., dem Vetriebspartner von Lavazza in Budapest, als marketing asszisztens. Ich habe ein sehr spannendes Projekt übertragen bekommen, nämlich die Markteinführung von Lavazza BLUE in Österreich und Deutschland. Deshalb interessiere ich mich seit neuestem für Eure Kaffeetrink-Gewohnheiten. Macht doch bei meiner supertollen-stylischen Umfrage mit.
http://marburg84.twoday.net/polls/5989/main
Bin vorallem auf Eure Kaffee-Kommentare gespannt. Die dienen natürlich nur der allgemeinen Belustigung, niemals würde ich ein Produkt dem Kunden anpassen - wozu war ich jetzt ein halbes Jahr in Ungarn und wurde vorher jahrelang auf der WU indoktriniert. Beschwerden gehen wie immer ans Salzamt:
Das SALZAMT,
Karfreitstr 4
9020 Celovec
marburg84 - 2007.06.10, 20:45
So, die Uni ist jetzt fast vorbei, nur noch 1 Prüfung am Dienstag.
Letzten Mittwoch hatten wir die große Endpräsentation von unserem CEMS-BusinessProject mit Procter&Gamble. Thema: "Euro-Introduction in Central Europe South"...
marburg84 - 2007.05.19, 22:11
Anbei findet sich ein Foto vom Seilziehen. Es ging darum, das wir, die közgáz-Studenten gegen die TU-Studenten zum Seilziehen angetreten sind. Coole Sache: Mitternacht auf der Szabadsághíd.

marburg84 - 2007.05.19, 22:06
So da, das Semester dauert für mich nur noch zwei Wochen. Allerlei Endpräsentationen und Seminararbeiten sind noch fertig zu machen (in jeder Hinsicht) oder besser anzufangen…Außerdem sollte ich ein bisschen was für meine zwei Abschlussprüfungen durchlesen.
Deshalb ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt mich mit einer viel relevanteren Sache zu beschäftigen: Marlene Burgstaller proudly presents „Die Kondomstudie“.
Gemeint ist allerdings nicht, dass ich hier von meinen persönlichen Vorlieben berichte (obwohl man im Rahmen der allgemeinen Gesundheitsvorsorge vom Gebrauch von Benetton- und SPÖ-Wahlwerbungskondomen abraten sollte).
Im Rahmen meiner Studie bin ich dem Grund, warum man in Ungarn Kondome in normalen G’schäftln nur in äußerst geringen Mengen kaufen kann - Nein, es ist nicht verboten, zehn 3er-Packungen zu erwerben. Aber die Packungsgrößen - außer man ist gerade beim Tesco und erwirbt die Familienpackung, wo der Preis in HUF/Kilogramm angegeben ist - sind doch sehr überschaubar.
Normalerweise werden die Kondome zu dritt in winzige Schächtelchen gesteckt und sind zudem auch nur bei der Kassierin erhältlich.
Also, zu erforschen gilt nun einerseits warum die Stückzahl pro Packung so klein ist und warum man seine Produktwahl mit der Kassierin diskutieren muss.
Folgende Situation scheint hierzulande gängig zu sein: Kunde: Eine Packung Durex, bitte. Kassierin: - (wir erinnern uns an den Artikel über Kundenorientierung.) Dann Kunde, lauter, gut hörbar: D-u-r-e-x, Kassierin: Welche? (Kingsize wohl nicht…) Kunde verschämt, leise: die normalen, Kassierin, mit der Schachtel winkend: Die? Kunde, nervlich am Ende: Ja, bitte. Wenige Stunden später: selber Kunde, leicht bekleidet: Eine Packung Durex, bitte. Kassierin: - Kunde: D-u-r-e-x, …
Wilde Vermutungen über die Ungarn könnten nun entstehen…hier aber werden nur nach streng wissenschaftlichen Kriterien erhobene Daten zu folgenden Ergebnissen zusammengefasst:
1. Die Ungarn gehen gern jeden Tag eine Schachtel Kondome kaufen.
2. Niemand kauft Kondome in normalen Supermärkten. Die kleinen Packungen sind da um Touristen und Erasmus-Studenten zu verarschen.
3. Ungarn brauchen nur selten Kondome, über die Gründe wollen wir an dieser Stelle nicht spekulieren.
4. Kondome laufen in Ungarn sehr schnell ab, die Lagerung ist äußerst kompliziert, deshalb ist es ratsam nur geringe Mengen zu kaufen.
5. Kondome sind verhältnismäßig teuer, eine Großpackung ist unerschwinglich.
6. Entgegen meiner bisherigen Annahmen interessieren sich die Supermärkte für die Produktwahl ihrer Kunden. Man will den Kundenwünschen möglichst genau entsprechen und unentschlossene Kunden beraten. Außerdem werden die Abnahmemengen der einzelnen Kunden aufgezeichnet, stellt man sich als Großabnehmer heraus, werden Mengenrabatte angeboten, man bekommt Großpackungen zu kaufen und Vertragsangebote aus der Filmbranche...
7. Kondome werden oft gestohlen, deshalb ist es wirtschaftlicher gar keine zu verkaufen, weil die Kassierin davor steht, als sich alle stehlen zu lassen.
8. Kondome fallen in die gleiche Produktgruppe wie Zigaretten - dienen der Ausübung einer Sucht - und dürfen daher nicht im normalen Regal angepriesen werden.
9. Kondome werden nur an Personen über 18 verkauft. - Um den Kleinen den unbequemen Umgang damit zu ersparen.
marburg84 - 2007.05.09, 14:54
Als ich gestern gehört habe, das Sarkozy zum französischen Präsidenten gewählt worden ist, war ich enttäuscht, ich hätte lieber Ségolène in Frankreich an der Spitze gesehen.
Aber wie mir heute erklärt wurde, ist der Sieg von Sarkozy für „uns“ auch nicht allzu schlecht. Wie man nämlich schon dem Namen entnimmt ist Sárközy - von den einfältigen Franzosen zu „Sarkozy“ (man beachte ohne á und ö) herabgekanzelt, ein echter Ungar. So wie übrigens auch Mozart, Shakespeare, die Hunnen, und letztendlich auch Jesus (wir danken Peti für den geistreichen Beitrag, in dem sich Jesus nach seiner Auferstehung gleich nach Hause nach Ungarn aufgemacht hat um dort eine Familie zu gründen…). Von unserem Mann in Frankreich erwarten wir nun eigentlich nichts anderes, als dass er alsbald als echter Patriot Trianon rückgängig machen wird…Na gut, lassen wir es gut sein für heute…
marburg84 - 2007.05.07, 22:48
SENSATION:David Hasenfuß und KITT sprechen ungarisch
Durch einen glücklichen Zufall ist es mir heute gelungen einige Sequenzen der legendären Serie Knight Rider einzufangen. Es stellte sich dabei zu meiner großen Überraschung heraus, dass sowohl Hassel the Hoff, wie auch sein hässliches Gefährt ungarisch sprechen.
Dass KITT alles kann ist ja hinlänglich bekannt - wir denken zurück an die unzähligen Male, wo er im Superpersuit-Mode steile, kurvige Bergstraßen hinauf- und hinuntergerast ist, durch Lastwägen gesprungen ist und dem Hasenfuß stets mit hochintelligenten Beiträgen helfend zur Seite gestanden ist. In diesem Lichte scheint es nur logisch, dass er auch der ungarischen Sprache mächtig ist - obschon sie ihm wohl eher einprogrammiert worden ist.
Dass aber unser Held der Kindheit - längst schon zum in Kultstatus aufgestiegen - ungarisch spricht, muss uns doch im Anbetracht der Dauerwelle, des bis zum Bauch offenen Hawaii-Hemdes und der Pilotenbrille in höchstem Maße erstaunen. Und wieder haben wir unserm David Unrecht getan.
marburg84 - 2007.04.22, 13:38
Heute also war es so weit: Pünktlich um 6.15 (in Worten: sechsuhrfünfzehn) stand ich im Bett um einem tollen Tag entgegenzugehn. Die Reise führte mich durchs morgendliche Budapest zum Népliget, einem besonders heimeligen Ort, wo man um 7 morgens unbedingt sein will (naja, besser als um 3 in der Nacht). Um 7.30 sollte ich im B-epület(ein bauliches Kleinod der Corvinus-Uni, das man zurecht ein kleines bisschen versteckt hat, das sich übrigens auch nahtlos in das stadträndisch-semiindustrielle Bild der Könyves-Kálmán-körút fügt. Für jene, die mit Budapest nicht so vertraut sind, vielleicht ein wiener Vergleich: Stellt Euch einfach vor, ihr seid um mittlerweile 7.20 am Matzleinsdorfer Platz und sucht eigentlich nach einem Prachtbau auf der Triesterstraße) zwecks Sprachprüfung (nein, nicht ungarisch, sondern französisch). Gut, schließlich betrat ich schon etwas gestresst das Gebäude, das die schöne Aufschrift "Corvinus Egyetem...blabla...A-epület" zierte, und war sofort vom Charme des Portiers niedergeschmettert. 7.25:"Das ist wohl nicht das B-epület?"-schmerzverzerrtes Gesicht, Prüfungsangstschweiß, panisch aufgerissene Augen, etc. Antwort: "Nem." "Und wo ist dann das B-epület?" 7.26 "Hát", und da war es, das schlimmste, fürchterlichste, alles dahinstreckende Wort: hát. Frage man einmal den gemeinen Ungarn, wonach auch immer, er wird es mit einem hát beantworten, langgezogen, Blick dramatisch weit in die Ferne gerichtet, gottergeben,...
Nach einer ewigen Pause nach dem "hát", schien dem Portier dann doch noch einzufallen, dass es einmal ein B-epület gegeben hat. Um ca.7.29 fiel ihm dann sogar ein, dass er mir den Weg beschreiben könnte. Rasch machte ich mich auf den Weg, stürmte in das doch vorhandene B-epület und - stand vor einem versperrten Hörsaal. Niemand, gar niemand war da. 1 Minute vor meiner Prüfung. Ich -leider noch immer nicht akkulturiert- nahm das als schlechtes Zeichen. Statt zu warten bis die Prüfer um 7.45 eintrudelten und die anderen Prüflinge um 8.00, rannte ich durch die leeren Hallen, bereitete den Portiers des A- wie des B-epület-s (eine grammatikalische Neuschaffung, ein ung. Wort im deutschen Genetiv, auf dass sich der Leser selbst zurecht finde) den wohl stressigsten Tag ihres gesamten Arbeitslebens.
Letztendlich sind dann eh alle aufgetaucht und bei der Prüfung ist es mir auch gut gegangen. Zum Schluss durfte ich dann noch an einem lustigen Rollenspiel bei der deutschen Sprachprüfung für die Ungarn mitmachen (haha, ich hab nur in ganz lange Sätzen, ganz schnell, mit vielen Gedankeneinschüben, Infinitivgruppen, Konjunktiven, teils im Juristendeutsch, teils im Dialekt gesprochen) - nein natürlich nicht, es liegt mir fern die armen hát-Ungarn zu quälen...aber als einer gemeint hat, dass die Raucher nach der Rauchpause "erfrischt" wieder kommen werden, konnte ich ein Auflachen -natürlich vollkommen unpassend in einer Sprachprüfung- kaum unterdrücken.
marburg84 - 2007.04.20, 16:15
Mit Entsetzen musste ich unlängst feststellen, dass meine kleine Welt, die ich schön langsam zu verstehen begonnen habe, völlig durcheinander gebracht wurde. Baumaschinen so groß wie Berge verkehren auf den Geleisen der 49-es Straßenbahn, statt der 49-es ein Bus mit dem klingenden Namen 18-47V und in einer hinterhältigen Aktion hat man einfach die Eingänge der Metro am Kálvin tér zugemauert (die armen Menschen, die noch drinnen sind). Kurzum: Eigentlich wäre es mir unmöglich den Weg zur Uni zu meistern, aber auf Grund meines besonderen Wagemuts kämpfe ich mich dennoch unverdrossen Tag für Tag (oder eher: 2-3 Mal in der Woche) vor zur Corvinus...
Für ernsthafte Informationen über den Bau der 4-es metró bitte nachschaun auf
http://www.metro4.hu/
marburg84 - 2007.04.04, 10:55