In der Puszta

Um meinen Ungarnaufenthalt zu krönen und das Ungarn Reitervolk-Puszta-Image weiterzuzementiern, habe wir uns letztes Wochenende nach Hortobágy (einziger Ort in der Puszta, bestehend aus der Nagycsárda, wo schon Petöfi Sándor die Leute mit seinem Nemzeti Dál unter den Tisch hineingedichtet haben soll, der Kilenclyuk-Brücke, dem Hirtenmuseum, dem Ware-billig-aber-trotzdem-erste-Wahl-Klimmbimmmarkt -fast hätte ich mir den 20Liter-Gulasch-Kupferkessel mit dazugehöriger Gasfeuerstell gekauft - dem Mongolen-Millennium-Landnahme-Denkmal und schließlich einen 2**-70er-Jahre-Hotel, dem der Charme schon ein bisschen abgebröckelt ist, in das wir abgestiegen sind). Kaum hatten wir eingecheckt, drängten wir schon wieder nach draußen an die frische Pusztaluft und schlossen uns einer bunten Truppe fahrender Vandalen (Touristen) an, um eine Pusztatour zu machen. Dies geschah allerdings nicht in einem wilden Durcheinander, sonder ging unter dem strengen Regiment unserer ostdeutschen Führerin vonstatten. Die gute Frau war sicher in den 70ern (wahrscheinlich zur Hoteleröffnung) nach Hortobágy gekommen und hat sich seitdem ihren blechernen deutschen Akzent behalten. Was natürlich nicht nur im deutschen ungewohnt für uns klang, sonder besonders zu befremdlichen Anwandlungen führte, als sie die ungarische Sprache in deutsche Sprachmelodiemuster zwang. Nachdem wir die leichteren Touristen beiseite geschoben haben, machten wir dann wunderschöne Fotos von unserem Pferdefuhrwerk, das von einem ebenso routinierten, wie gewissenhaften -das eine schließt das andere nicht aus- Kutscher gelenkt wurde, aus auf die unendliche Weite, die Hirten, die Zackelschafe, die Mangalicza-Schweindln, die Graurinder, die Ponnies und die indischen Wasserbüffel.

marburg84 - 2007.08.06, 22:13
weitere Ausführungen
Nicht unter den Tisch fallen sollte das gemeinsame Abendmahl in der Csárda, die übringens in einem besseren Zustand ist, als unsere Kommunismusgedächtnisherberge. Nachdem man nur einmal jung ist und wir es uns auch einmal "gut gehen" lassen wollten, bestellten wir eine Flasche besten Tokajer Weines, auch um abzulesen wie spät es denn nun sei. Unser weiteres Mahl, welches übrigens sehr mundete, wurde von einer Band umrahmt (bestehend aus einem Kontrabass, einem überaus einfühlsamen Geigenspieler und jemanden, der so etwas ähnliches wie ein Hackbrett sein eigen nannte). Ich wollte dem schon gefährlich nahe rückenden Geigenspieler bereits einen "grünen" (= 200 Forint) in sein Hemd stecken, da kam mir ein deutscher Nachbar zuvor und trieb die Preise mit einem 10 € Schein ins schier Unermeßliche, dafür bekam er zu seinem Gulyas (= Gulaschsuppe) erschütternde Volksweisen serviert.
Nach Abschluss dieser unrühmlichen Szenen beschlossen wir, dass es Zeit ist zu gehen und gingen in den Sonnenuntergang der Puszta.
Bernhard